Archive für Beiträge mit Schlagwort: Haikus

Graziles Ballett

Tanz der Kraniche im Schnee

Ahnt schon die Reise

Raben krächzen laut

Wintermorgennebel blaut

Klirrende Stille

Duft des Winters

Sonnenstrahlen auf Schneedecke

beim Wintermorgengang auf dem Feld –

ein Duft von klarer, kristallener Kälte

 

Brennholzduft aus den Kaminschloten

bauscht weiße Wolken wie Atem in die Luft

– das Aroma des gerösteten Toasts mit Butter und Honig

am Weihnachtsmorgen ähnelt ihm

-heimelig

 

Das Gästezimmer in den Alpen an Neujahr

– es riecht nach geräucherter Dauerwurst,

sofort bekomme ich Lust auf eine herzhafte Jause,

mit Holzofenbrot frisch vom Laib geschnitten

 

Bratapfelduft aus der Küche füllt meine Wohnung

– Vorfeude auf die süße Verführung mit Vanillesauce

 

Gewürzpunsch am Kaminfeuer spät zur Christnacht

– gemischt mit Kerzenknistergeruch-

mitten im kalten Norden versetzt er mich auf einen Orient-Bazar

– Nelke, Zimt und Kardamom erhöhen meine Sinne,

öffnen sie weit, fast höre ich die Pfeifen und Trommeln,

sehe den Tanz der Bauchtänzerin,

das Schaukeln der Kamele

und höre die gellenden Schreie der Händler

– die Rufe des Muezzins von der Moschee

 

Tannennadelduft tief im Wald – ätherisch-würzig

der belaubte Boden bewahrt die satte Herbstsüße

wie auch das Harz der Zapfen

– nichts geht verloren

Copyright Heike van den Bergh

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Einladung zur Lesung und Konzert mit Haikus, Gedichten

und internationalen Songs

„EISTRÄNEN AM BAUM UND KIRSCHBLÜTENFALL“

zu Gast bei den „Bonner Ausblicken“

mit Heike van den Bergh und Katy Sedna

 

am Mittwoch, 18.04.2012, 19:30 Uhr im MIGRApolis Haus der Vielfalt,  Brüdergasse 16 –18, 53111 Bonn, Eintritt frei, Moderation: R.M. Gassen

 

„Wolken aus Blüten, 

zartrosa Traum der Kirsche

so schnell vergangen“ (Heike v.d. Bergh)

 

I know you’re the brightest star
you shine here so near so far
I am waiting for your guidance
I am open to the light that shines cause
you’re always there (Katy Sedna)

 

 

                                          

                                           Bild: Daigoji in Kirschblüte

 

Heike van den Bergh und Katy Sedna spannen in ihrer Lesung und Konzert den Bogen von Haikus aus Japan im Reigen der Jahreszeiten von Heike und ihren Gedichten über „Apoll & Venus“ in der Liebe zwischen Mann und Frau bis zu indischen, portugiesischen, afrikanischen, japanischen und eigenen, englischen Songs von Katy Sedna. Katy, ein Kind vieler Kulturen, aufgewachsen in Afrika, den USA und Deutschland, interpretiert in ihrer unnachahmlichen, zarten Art und Stimme die Songs, die die Ästhetik aus aller Welt, die Naturschönheiten , die Tiefen der Liebe und das Lebensgefühl der Jahreszeiten einfangen. Lassen Sie sich verzaubern auf dieser Reise durch die Zeit und die Natur…

Herzlich möchten wir Sie einladen zu unserer Lesung „All Seasons in One“ am 29.01.2012 um 11:30 Uhr im Haus der Vielfalt in Bonn, Brüdergasse 16-18, 53111 Bonn. Eintritt frei, kostenloses Frühstück inklusive.

„Wolken aus Blüten, 

zartrosa Traum der Kirsche

so schnell vergangen“

 

„Die Amseln grüßen dich
es kommen schönere Tage!

Des Nachts umrundest du die Sterne
auf einer Woge reitend
den Geschmack von Meerestränen
auf den Lippen – des Morgens“

Heike van den Bergh und Birgitta Sigfridson spannen in ihrer Lesung den Bogen von Haikus aus Japan und ihren Gedichten über „Apoll & Venus“ in der griechisch inspirierten Liebe zwischen Mann und Frau bis hin zur griechischen Antike und Südschweden, wenn Birgitta aus ihren Büchern „Achilles gesucht!“ und „Ich bin nicht Ariadne“ liest. Beide fangen in ihren Gedichten die Naturschönheiten, die Tiefen der Liebe und das Lebensgefühl der Jahreszeiten ein. Lassen Sie sich verzaubern auf dieser Reise durch die Zeit und die Natur…

Haikus sind japanische Kurzgedichte mit siebzehn Silben und einem 5-7-5 Silben-Schema. Sie deuten Stimmungen und Naturbeobachtungen mehr an, als dass sie sie explizit benennen. Ihr Stil ist sehr sparsam, spartanisch, durch bestimmte Schlüsselwörter (Jahreszeitenwörter) werden Assoziationen beim Leser angeregt. Sie entstanden im 17. Jahrhundert im Japan der Tokugawa-Zeit aus den Ketten-Gemeinschaftsdichtungen am Kaiserhof (Renga). Sie wurden von Bürgerlichen, Hofadligen, Samurai und Zen-Priestern verfasst und erfreuen sich auch im Westen seit einiger Zeit großer Beliebtheit. So verfasste auch Tomás Tranströmer, der schwedische letztjährige Literaturnobelpreisträger ganze Bände voll Haikus.

Ich selbst kam erst 2008 zum Haiku-Schreiben, habe aber seitdem sehr viele produziert und sie kommen auch in meinen Lesungen immer gut an.

Hier nun eine kleine Auswahl an Winter-Haikus:

Bindfadenregen

Sturm peitscht die Zweige dahin

Huch! Mein Hut ist weg!

Rotkehlchen im Schnee

Du kleiner Vogel versinkst

Tief im weißen Bett

Gartentor knarrend

Herrenlos fliegst du dahin

Niemand kommt zu mir

Hinter Eiskristall

Leuchtet die Kerze so warm

Sei unser Gast!

Laternengesicht

Leuchtet hoch über dem Kopf

Glänzt Kindergesicht

Zettai ni ikkai
yukiguni wo mitai
shinu mae ni
=

jedenfalls einmal

noch möcht’ ich das Schneeland sehn
bevor ich sterbe

Zwei, drei Tropfen Blut

Leuchtende Spur im Schneeweiß

Die Katze schnurrt leis…

Tiefdunkel die Nacht

heiserer Schrei des Kranichs

sein Flügelschlag rauscht

Von Kirche am Berg

 klingt andächtiger Gesang

so sang ich als Kind

Werfe frisches Scheit

In den Kamin – hell lodert

Der funkelnde Stern

 Die Blume aus Eis

wunderschön – möcht sie pflücken

doch sie schmilzt dahin

Heller Glockenklang

Weht durchs Tal – ruft uns herbei

Zum Fest der Liebe

© Heike van den Bergh